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Wo bleibt der Wein? Lokalaugenschein im Restaurant Sodoma in Tulln

Nach einem hochsommerlichen Aubad-Besuch in Tulln knurrt einem abends dann der Magen besonders. Zudem ist im Aubad gerade der weiße Spritzer das Highlight der dort ansässigen Sommeliers. Was liegt da näher als dem sehr unterschiedlich bewerteten Restaurant Sodoma einen Besuch abzustatten. Noch im Aubad versuchten wir telefonisch zu reservieren und erhielten um 18:30 vom Chef die Auskunft, dass derzeit alles voll sei, aber vielleicht um 20:00 ja einige Herrschaften gehen würden. Also ein klassisches österreichisches „Vielleicht“. Nun gut, vielleicht keine typische Reservierungsauskunft eines mit zwei Hauben bewerteten Restaurants, aber die Neugierde siegte und wir peilten trotz drohender Abfuhr den vermeintlichen Tullner Gourmet-Tempel an.

Als wir knapp vor 20:00 ankamen, war es dann doch kein Problem einen Tisch für zwei Personen im gut besuchten Garten zu bekommen. Erste positive Weinfreude: Die Kellnerin beriet und ausgezeichnet zu unseren gewählten Speisen (Branzino mit Gemüse und Kalbsrückenfilet mit Eierschwammerl und Nudeln). Sie gab uns Aufschluß über die Nuancen der von ihr angebotenen offenen Weine und hat uns in beiden Fällen einen perfekt zur Speise passenden Wein offeriert, den wir auch bestellten.

Zum Branzino genossen wir einen Grünen Veltliner, Ott vom Berg 2009 der mit 11% Alkohol den sommerlichen Temperaturen und dem feinen Fischfilet und dem gegaarten Gemüse angepasst waren. Feine Marillennuancen erfreuten unseren Gaumen.

Zum Kalbsrückenfilet genossen wir einen St. Laurent 2007 vom Weingut Glatzer, der mit 13% Alkohol und sehr dezent gehaltenen Barrique Geschmack der ideale Begleiter zum Fleisch war. Dieser Rotwein hatte es mir besonders angetan. Aromen von Weichsel, Schokolade und Pistazie mit einer rubinroten Farbe. Einfach herrlich süffig.

Was uns negativ auffiel und das kann ich absolut nicht ausstehen: der Wein wurde zu spät gebracht, nämlich erst einige Minuten nach dem Servieren der Speisen. So etwas darf bei einem Weinpreis von fünf Euro pro Glas und mehr in einem 2-Hauben-restaurant einfach nicht vorkommen und vermiest einem das sensationell tolle Essen. Das Service könnte hier noch etwas gegenüber der Küche aufholen.

Sodoma
Bahnhofstraße 48
3430 Tulln
Telefon: 02272 / 64616

Steirischer Wein und japanische Küche – it works!

Ein wenig versteckt ist es schon, das kleine japanische Restaurant SOSAKU in der Neustiftgasse 24, im 7. Wiener Gemeindebezirk. Aber wir haben es aufgrund einer Empfehlung gesucht und auch gefunden. Gelobt wurde die angeblich tolle österreichische Weinkarte – und die gute Küche. Wir bekamen gestern Abend ohne Reservierung einen Tisch. Bei nur acht Tischen tatsächlich ein wenig Glück. Die wenigen Tische schlagen sich in Kombination mit Serviceprofi Matthias Gazso sehr positiv nieder.

Nachdem unser Wunschwein (ein Gelber Muskateller vom Neumeister) nicht mehr verfügbar war, empfahl man uns den Gelber Muskateller von Tement. Das kurze Zögern von uns führte sofort dazu, dass man uns den Wein vorab kosten ließ. Er überzeugte und eine Flasche wurde geordert. Der Gelbe Muskateller 2009 von Tement ist mit 12% Alkohol sommerlich erfrischend. Bukett und Abgang erinnerten an Marille und Anklängen von Stachelbeere. Der Muskat Geschmack stand dezent bei und war nicht dominant im Vordergrund. Wir hatten die Wahl nicht bereut.
Zum Wein genoss ich als Vorspeise Avocadoravioli mit Thunfischtartar und kurz gebratenen Thunfisch auf Melone. Die Hauptspeise – ein Seeteufel auf Balsamico-Teriyakisauce und Noriblattröllchen mit Walnusspesto – war eine Sensation.

Zum Abschluss gönnten wir uns auf Anraten des Servicechefs Matthias Gazso einen Rubin Carnuntum (Zweigelt) 2008 von Gerhard Markowitsch. Ein gehaltvoller und fruchtiger Rotwein. Am Gaumen fanden wir Anklänge von Heidelbeeren und Orangenessenzen, vielleicht auch mit einem Hauch an Schokolade. Ein perfektes Dessert!

Das SOSAKU gibt es seit mittlerweile 4 Jahren in der Neustiftgasse. Die Köche Lingh Do Ngoc und Mai Nguyen Thi Phuong und der Servicechef Matthias Gazso arbeiteten zuvor in einem bekannten japanischen Sushitempel. Im SOSAKU geht es deutlich familiärer zu – aber in sensationeller Qualität. Und das Service war beeindruckend. Unser Weinglas wurde immer korrekt nachgeschenkt – nicht zu früh und nie zu spät. Einmal ging uns die Kerze aus. Keine Minute später stand eine neue Kerze da. Und bei 70 Euro für Vorspeise, Hauptspeise, eine Flasche Wein und ein Abschiedsachterl für zwei Personen kann man nur über ein ausgezeichnetes Preis/Leistungsverhältnis berichten. Zudem durften wir uns eingangs über einen Gruß aus der Küche und ein Abschiedsschnapserl freuen. Wir kommen ganz sicher wieder.

Gebirgsforelle und Muskateller auf der Moarhofalm

Die Moarhofalm ist eine versteckte Perle im Schladminger Bergland. Hier gibt es laut Karte eigentlich “nur” Hausmannskost. Dazu gehören aber frisch gefangene Wildforellen, die am Holzofen in der Pfanne zubereitet werden. Um 12,50 Euro ein einfach unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis. Dazu habe ich mir ein Achterl Muskateller um 3 Euro vom Weingut Walter Postl aus Leutschach gegönnt. Herrlich was man auf so einer liebevoll bewirtschafteten, steirischen Almhütte an Überraschung erleben darf.

Das Bukett kräftig mit deutlichen Muskatzügen und verhaltenen Stachelbeernuancen, verwöhnt auch den Gaumen mit etwas atypischen Marillenessenzen die diesen Wein besonders attraktiv machen. Die schöne Frucht wird durch einen sehr harmonischen Säurespiegel in der Waage gehalten. Selbst auf einer steirischen Alm kann man tolle Weinerlebnisse haben. Oder besser: Gerade auf steirischen Almen kann man solche Überraschungen erleben. Ich habe die Steiermark einfach sehr gerne. Nicht nur wegen den hervorragenden Weinen. Es sind Land und Leute die mich beeindrucken.

Schwarzer Trüffel und Golser Muskat

Schuppich_Trueffelnudeln

Der zweite Wiener Bezirk ist geprägt von meinen Kindheitserinnerungen. Schließlich bin ich dort aufgewachsen und habe bis zum Ende der Volksschule im Zweiten gelebt. Aus der Ferne betrachtet hatte ich dann lange Zeit das Gefühl, dass es mit diesem Bezirk bergab geht. Doch das ist schon lange nicht mehr so. Der zweite Bezirk ist erwacht. Sympathisch, einladend zum Erkunden. Mit seinen teils verschwiegenen, verwinkelten Gässchen lädt er zum Erforschen ein. Ein Tipp eines ortskundigen Mitarbeiters führte mich letzte Woche in das Ristorante Schuppich in der Rotensterngasse 18. Diesen Beitrag weiterlesen »

Offene Weinkultur im Penzinger Vorstadtwirtshaus

m1web Im Jahre 1907 eröffnete der Fleischhauer und Weinbauer Franz Stadler aus Bockfließ in Niederösterreich, das Wirtshaus „Zum Merkur“ an der Ecke Linzerstrasse und Ameisgasse in Wien Penzing. Bis 2002 war das Gasthaus im Familienbesitz. Seither leitet die Familie Holzer die Geschicke dieses traditionellen Betriebes. Ich wohne seit über 30 Jahren in relativer Nähe dieses Gasthauses, bin unzählige male daran mit dem Auto vorbeigefahren. Und gestern lachte mich wieder das Schild „Wirtshaus zum Merkur seit 1907“ an und ein Parkplatz war direkt vor dem Lokal frei.
Von später aber plötzlicher Neugierde und einem Gulaschgusto gepackt wollte ich endlich einmal das alte Wirtshaus erkunden. Von außen hätte ich nicht gedacht, dass das Lokal so gut besucht wäre. Es offenbarte einen Schmelztiegel der Vorstadt. So saß am Nebentisch ein älteres Ehepaar, welches eindeutig dem bürgerlichen Lager angehörte und politisierte. Ein paar Tische weiter unterhielt sich eine Gruppe Arbeiter ebenfalls über Politik. Es gibt es also noch, das Klischee vom Politisieren im Wirtshaus.
Auf den Seiten des Weines überraschte das gutbürgerliche Wirtshaus mit einer überaus tadellosen Karte offener Weine. Da tümmelten sich Zweigelt „Heideboden“, Cuveè „MExCS“ vom Weingut Vinum Ferreum Eisenberg im Südburgenland, Blaufränkischer vom Weingut Iby, Grüner Veltliner “Stephanus” vom Weingut Weixelbaum und Welschriesling vom Weingut Sabathi achtelweise ausgeschenkt zu Euro 2,40 bis 2,80.
Zu meinem Gulasch orderte ich einen Grünen Veltliner “Stephanus” vom Weingut Weixelbaum, Jahrgang 2009. Der Wein hielt am Gaumen exakt das was er an der Nase versprochen hatte: nämlich gut erkennbare Zitrustöne mit einer Idee von frühreifen Apfelaromen. Der saubere, 12% starke Veltliner trank sich trotzdem angenehm leicht und spritzig und ist durchaus eine Wiederholungstat wert. Die Gulaschexperten unter den Lesern bitte ich um Entschuldigung für den Fauxpas kein Bier getrunken zu haben. Die offene Weinkarte hatte mich einfach zu neugierig gemacht.

Lange Nacht 2010
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